Artikel vom Freitag, 6. Juni 2014, 80 mal gelesen
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Deutsche Volleyball Liga

„Volleyball war noch nie so weit wie jetzt” - Interview mit DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung

DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung: "Tenor der Vereine ist: Volleyball war noch nie so weit wie jetzt" (Foto: pr).

DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung: "Tenor der Vereine ist: Volleyball war noch nie so weit wie jetzt" (Foto: pr).

Am 20./21. Juni soll auf der Bundesliga-Vollversammlung in Berlin mit dem Masterplan ein Wegweiser und Businessplan für die Volleyball-Bundesliga beschlossen werden. Im zweiten Teil des Interviews spricht Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga (DVL), über Inhalte und geplante Auswirkungen des Papiers sowie die Neuausrichtungen der DVL in Marketing, Suche nach einem Ligasponsor und TV-Situation.

Herr Jung, mit dem Masterplan professionalisiert die Liga die Entwicklung des Volleyballs. Wie weit sind Sie mit diesem Vorhaben?
Klaus-Peter Jung: Der Masterplan soll auf der Bundesligaversammlung in Berlin festgeschrieben werden. Wir haben den Entwurf in einer ersten Runde im persönlichen Austausch mit den Vertretern der Erstligisten besprochen und gemeinsam mit dem schriftlichen Feedback der Zweitligisten zu Papier gebracht. Nach Rückkopplung mit allen Vereinen soll der Masterplan dann am 20./21. Juni beschlossen werden. Ich betone immer wieder, dass der Masterplan ein Weg ist, den wir gemeinsam mit allen Vereinen gehen wollen und der sich in den nächsten Spielzeiten immer weiter entwickeln und auch an einigen Stellen sicherlich wieder verändern wird. Dies werden wir durch eine intensive Kommunikation mit den Vereinen und eine interne Evaluation aller Maßnahmen vorantreiben.

Was sind die zentralen Inhalte des Papiers?
Jung: Wir haben 14 Handlungsfelder ausgemacht, die für die Entwicklung unseres Sports wichtig sind, und daraus konkrete Lizenzierungsvoraussetzungen geschaffen: zum Beispiel Management, Vermarktung, Kommunikation, Eventisierung, Nachwuchs oder Social Responsibility. Der Masterplan sieht zunächst den Weg bis inklusive der Saison 2016/17 vor und wird dann für die nächsten vier Jahre weiterentwickelt und neu aufgestellt. Ich begreife dieses Instrument als Businessplan und Strategiepapier für die Klubs, das permanent auf den Prüfstand gehört. Bereits in der gerade abgelaufenen Saison haben wir ja einige Sofortmaßnahmen wie die Entwicklung von Hauptamtlichkeit in Management und Administration forciert.

Was ist der Nutzen des Masterplans?
Jung: Der Masterplan bringt mehrjährige Strukturierung, daran können sich die Vereine orientieren. Die Klubs wissen, woran sie arbeiten müssen und wie sie die Lizenzierungsziele schaffen können. Der Tenor der Vereine ist: Volleyball war noch nie so weit wie jetzt. Der Masterplan ist ein Regiebuch für die Liga. Regionale Aspekte und Besonderheiten allerdings müssen die Klubs selbst berücksichtigen. Deswegen wollen die Klubs selbst eigene Masterpläne für ihre Vereine entwickeln. Die Vereine entscheiden über den Erfolg des Masterplans, also über den Erfolg von Volleyball im Konkurrenzkampf mit den anderen Sportarten. Und da wollen wir uns entwickeln.

Dazu soll die Kluft zwischen 1. und 2. Liga verringert werden.
Jung: Um die Durchlässigkeit zwischen den Ligen zu gewährleisten, wird das Papier als Stufenplan mit vier Abstufungen umgesetzt - ein wichtiger Punkt für unsere Aufsteiger. Das heißt, Herrsching, Königs Wusterhausen und Lüneburg haben jetzt ein anderes Anforderungsprofil als nach drei Jahren Ligazugehörigkeit. Durch das Instrument der Vorlizenzierung, mit dem das DVL-Center die potenziellen Aufsteiger bereits in der 2. Liga begleitet, haben sich die Vereine so entwickelt, dass sie das Aufstiegsrecht wahrnehmen konnten. Da hat der Masterplan schon im Vorhinein in der Praxis funktioniert.

Gibt es auch Gegner?
Jung: Wir hatten bislang Sorge wegen des rasanten Tempos des Plans: Können die Vereine das schaffen? Die Erstligisten haben uns allerdings das Signal gegeben, das wir in einigen Bereichen sogar flotter vorankommen müssen. Nicht nur die Spitzenklubs, auch die Vereine im Mittelfeld und den unteren Tabellenregionen sind da sehr zielstrebig, was die Forcierung des Masterplans angeht. Kritische Stimmen kommen von vielen Zweitligisten, die Angst haben, durch den Masterplan überfordert zu werden.

Die DVL sucht seit Jahren nach einem Ligasponsor. Wie weit sind Sie bei dieser Suche?
Jung: Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Bei meinem Amtsantritt habe ich gesagt, dass wir ein Jahr benötigen, um uns noch professioneller aufzustellen und als Marke mit neuem Gesicht zu positionieren. Das ist erfolgt und wir sind dann so ausgerichtet, dass wir an potenzielle Ligasponsoren herantreten können. Das wollen wir zielgerichtet und vorbereitet mit einem neuen Erscheinungsbild tun. Dazu werden wir uns eine Agentur dazu holen. Die Konzeption für einen Ligasponsor steht, und wir gehen damit in Kürze nach außen.

Dazu haben Sie das Erscheinungsbild der Liga komplett überarbeitet?
Jung: Wir brauchen einen neuen Markenauftritt, mit neuem Claim, neuem Corporate Design. Da war seit Ligagründung nichts mehr weiterentwickelt worden. Das Gewand verändern wir gerade und werden das auf der Bundesligaversammlung den Vereinen präsentieren.

Wie zufrieden sind Sie mit der TV-Situation?
Jung: Wir haben jetzt im zweiten Jahr den Vertrag mit DVL-live.tv gelebt und sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Wir haben das Produkt verfeinert, indem wir die Zahl der Ein-Kamera-Produktionen vermehren konnten. In jeder Liga haben dieses System sechs Klubs zur Verfügung. Dazu haben wir mit der Konferenz ein neues Produkt entwickelt, auf das wir sehr gute Resonanz bekommen haben. Wir werden die Konferenzen weiterentwickeln, zum Beispiel pro Spieltag in jeder 1. Liga eine Vollproduktion an Ein-Kamera-Produktionen anbinden, um dieses Format noch stärker zu machen.

Und bei den öffentlich-rechtlichen Sendern?
Jung: In der Verbreitung bei den Regionalsendern gab es eine deutliche Steigerung in diesem Jahr. Die Zusammenarbeit mit den dritten Programmen, die die DVL-live.tv-Bilder übernehmen, entwickelt sich positiv. Auch in ARD und ZDF sind in dieser Saison insbesondere im Morgen- und Mittagsmagazin vermehrt Spielbilder aus der DVL zu sehen gewesen. Die mediale Saisonauswertung ist derzeit noch in der Mache und wird uns in Kürze zur Verfügung stehen. Der nächste Schritt muss sein, dass wir tiefer in die Gespräche mit Sport1 oder Sky einsteigen. Das werden wir jetzt tun.

"Gemeinsam anpacken, um Volleyball zu entwickeln"

Die Deutsche Volleyball-Liga (DVL) stellt die Weichen für die Zukunft. Am 20./21. Juni findet in Berlin die Bundesliga-Vollversammlung statt. Dort soll der Masterplan verabschiedet werden - Regiebuch, Strategiepapier, Leitfaden für die kommenden Jahre. DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung spricht im ersten Teil des Interviews über aktuelle sportliche und wirtschaftliche Entwicklungen in den Bundesligen bei Frauen und Männern, die kritischen Situationen in Suhl und Haching sowie die vielversprechenden Aufsteiger Königs Wusterhausen, Herrsching und Lüneburg.

Herr Jung, Ihre erste komplette Saison als Geschäftsführer der DVL liegt hinter Ihnen. Wie haben Sie die Spielzeit im Vergleich zu Ihrer langjährigen Tätigkeit als Clubmanager erlebt?
Klaus-Peter Jung: Für mich hat sich ein ganz anderer Blickwinkel aufgetan, eine komplett neue Erfahrung. Ich habe es über 20 Jahre genießen dürfen, bei einem Bundesligisten in direkter Verantwortung zu stehen. Dann fiebert und leidet man emotional mit seinem Klub mit. In meiner neuen Funktion gehört das Volleyball-Herz allen Vereinen. Wenn ich in den Hallen zu Gast bin, betrachte ich die Spiele aus fachlicher Sicht, beobachte aber vor allem Vermarktung, Organisation und Präsentation der Partien.

Ihr Sohn Jonas Kronseder stand als Trainer Ihres Ex-Klub Rote Raben Vilsbiburg in den Finalspielen im Fokus. Wie schwer fiel es da, neutral zu bleiben?
Jung: Beim Ex-Verein fiebert man natürlich ein wenig mehr mit - auch unabhängig davon, ob mein Sohn dort beschäftigt ist. Aber ich habe bei den Finals zwischen Dresden und Vilsbiburg festgestellt, dass ich es inzwischen sehr gut hinkriege, die Endspiele mit neutralem Blick zu beobachten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Produkt Volleyball-Bundesliga in der Spielzeit 2013/14 aus sportlicher Perspektive?

Jung: Ich war sehr zufrieden, was die Highlight-Spiele angeht. Bei den Männern haben mit Berlin und Friedrichshafen zwei Teams auf Augenhöhe gegeneinander gespielt. Da wurde um jeden Punkt gerungen. Bei den Frauen war es ebenfalls spannend, aber da fehlte in der Finalserie durch den deutlichen 3:0-Sieg des Dresdner SC etwas die Dramatik. Die Halbfinalpartien waren dagegen umso enger und emotionaler. Hier war deutlich die Ausgeglichenheit der Liga zu sehen.

Und was Zuschauerzahlen und Präsentation angeht?

Jung: In den Finalspielen waren die Zuschauerzahlen gut bis sehr gut. Wir müssen aber dahin kommen, dass die mittelgroßen Hallen wie in Dresden und Friedrichshafen in den Endspielen immer ausverkauft sind. Das war leider nicht so. Im ersten Spiel in Dresden sind ein paar Plätze frei geblieben, in Vilsbiburg und Friedrichshafen auch. In Berlin ist der Zuschauerzuspruch mit jeweils fast 8.000 Besuchern nach wie vor sensationell gut für unsere Sportart.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Liga generell?
Jung: Allen Vereinen ist klar geworden, dass wir gemeinsam anpacken müssen, wenn wir unsere Sportart entwickeln wollen. Berlin und Friedrichshafen machen es bei den Männern vor, wie man durch professionelles Arbeiten Etats generiert, Zuschauer anlockt und Erfolge einfährt. Die Klubs haben verstanden, dass sie im administrativen Bereich investieren müssen. Bei den Frauen ist das Feld nicht nur sportlich, sondern auch was Professionalität und Budget betrifft sehr homogen. Da sind die ersten sieben, acht Teams sehr eng beieinander. Bei den Männern hat sich dagegen eine Drei-Klassen-Gesellschaft entwickelt.

Ist es eher Vorteil oder Problem, dass die Liga mit Berlin und Friedrichshafen zwei Leuchtturm-Klubs hat, die die Meisterschaft unter sich ausmachen?

Jung: Ich sehe das für die Liga nicht als Problem an. Wir sind froh und stolz, Berlin und Friedrichshafen zu haben. Beide Klubs verkaufen den deutschen Volleyball auch international sehr gut. Ähnlich wie zuvor Unterhaching und zuletzt Bühl können sich auch andere Klubs an die Spitze arbeiten. Man sieht das im Basketball, wo jahrelang zwei Teams die Meisterschaft unter sich ausgemacht haben und heute gleich mehrere Klubs überraschend in die Spitze vorgestoßen sind. Diese Entwicklung wollen wir auch im Volleyball anstoßen und begleiten.

Bei den Frauen ist das Feld bereits jetzt sehr eng beisammen.
Jung: Die Entwicklung in der Frauen-Bundesliga ist sehr positiv, weil das Feld der Meisterschaftskandidaten so homogen geworden ist und sich immer weiter verdichtet. Auch Aachen, Wiesbaden, Schwerin oder Münster hätten es ins Finale schaffen können. Potsdam wächst zu einem Konkurrenten für die Topklubs heran. Dadurch sind die Play-offs von Beginn an interessant und spannend.

Wird Suhl in der kommenden Saison in der 1. Liga dabei sein?
Jung: Wir haben den Suhlern in Aussicht gestellt, dass sie einen freien Platz einnehmen können, falls sie die entsprechende Wirtschaftlichkeit nachweisen und die Auflagen umsetzen. Daran muss Suhl arbeiten; ich habe den Eindruck, dass das sehr verantwortungsbewusst geschieht. Das ist ein Traditionsstandort, von dem wir als Liga nur hoffen können, dass er uns erhalten bleibt. Wir versuchen diesen Prozess als Dienstleister zu begleiten und haben im Rahmen der Lizenzauflagen eine regelmäßige Kontrollschleife über die wirtschaftlichen Entwicklungen am Standort installiert. Natürlich gelten für Suhl die gleichen Regeln wie für alle anderen Klubs - andernfalls würden wir uns unglaubwürdig machen. Eine endgültige Entscheidung über den Ligaverbleib wird voraussichtlich Anfang September fallen.

Bei den Männern ist die Situation dramatischer. Bottrop wurde im Januar die Lizenz entzogen, Moers hat keinen neuen Lizenzantrag gestellt und hinter dem Ligaverbleib von Haching steht weiter ein Fragezeichen. Geht die Liga am Ende gestärkt aus diesem zunächst schmerzhaften Reinigungsprozess hervor?
Jung: Die Liga kann daraus gestärkt hervorgehen. Es ist ja ein Ziel des Masterplans, dass sich die Liga selbst stärkt und sich professionell positioniert. Mit der Umsetzung des Masterplans haben die Situationen der angesprochenen Vereine allerdings nichts zu tun. Da ist jeder Fall gesondert gelagert. Bottrop etwa hat riesige Fehler gemacht. Das Management dort war nicht reif für die 1. Liga. Unterhaching dagegen findet trotz zahlreicher Erfolge und jahrelanger wirtschaftlich solider Arbeit nach dem Ausstieg von Generali einfach keinen neuen Geldgeber. Dort wird weiter gekämpft, aber da gibt es leider keinen neuen Stand zu vermelden.

Was dürfen wir wirtschaftlich und strukturell von den Aufsteigern Netzhoppers Königs Wusterhausen, Herrsching und Lüneburg erwarten?

Jung: Dass diese Klubs den Schritt in die 1. Liga wagen, ist ein sehr positives Signal für die Männer-Bundesliga. Klar, spielen diese Klubs auf einem kleineren Klavier als Berlin und Friedrichshafen. Aber diese drei Aufsteiger können sich durchaus in Richtung der Vorbilder Düren und Bühl entwickeln, die die treibenden Kräfte hinter den beiden Spitzenklubs sind. Netzhoppers, Herrsching und Lüneburg sind sehr engagiert und in permanentem Austausch mit dem DVL-Center. Sie bemühen sich um eine gute wirtschaftliche Lizenzierung und machen ihre Hausaufgaben. Die Hürde, in die 1. Liga zu gehen, ist bereits geringer geworden - ein Ziel des Masterplans. Interview: Ullrich Kroemer



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